Tropical architecture

home » projects » tropical architecture

Allgemeines

Das Bauen in den Tropen bedeutet Auseinandersetzung mit extremen klimatischen Bedingungen. Die Gebäude müssen gegen Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und heftige Regenfälle schützen und so den Nutzern behagliche Räume bieten. Die traditionelle anonyme Architektur der Tropen hat für diese besonderen klimatischen Bedingungen über Jahrtausende hinweg intelligente Bauformen und Konstruktionen entwickelt.

Die Begegnung mit der europäischen Zivilisation führte aber in den Ländern der sogennanten Dritten Welt fast überall zu einem Verlust dieses Wissens, verstärkt durch neue Bauaufgaben, die sich mit den alten Konzepten nicht mehr umsetzen lassen.

Neuere Bauten gehen meist aber kaum auf die besonderen Bedingungen der Tropen ein und übernehmen oft unreflektiert europäische Siedlungs- und Bauformen.


An administration building
in Yaoundé | Cameroon -
the facade is almost fully glazed

Vor allem in den Ballungsräumen der großen Städte der Dritten Welt zeigen viele Verwaltungs- und Wohnbauten einen fragwürdigen Einsatz technischer Klimaanlagen für die Kühlung, deren Energie mit einem Anteil von ca. 50% des Gesamtenergieverbrauches vorwiegend durch die Nutzung nicht erneuerbarer fossiler Brennstoffe gewonnen wird.
Dies ist jedoch nicht nur regional für die Dritte Welt der Tropen, sondern global in der Verantwortung für unsere Umwelt zu betrachten.

Dabei gibt es zahllose Beispiele einer traditionellen und unverwechselbar tropischen Architektur, die die Natur nicht, wie in vielen westlichen Architekturbeispielen, durch die Gewalt der Technik "besiegt", sondern in intelligenter Anpassung Lösungen für die Anforderungen des extremen Klimas gefunden hat.

Eine Tropengerechte Architektur

In den Tropen muss man grundsätzlich zwischen den feuchtheissen Regenwaldgebieten der Äquatorzone und den trockenheissen Steppen und Wüsten unterscheiden.

Das unterschiedliche Klima bedingt unterschiedliche bauliche Antworten. Während die Architektur der Trockenzonen sich durch massige und eng zueinander stehende Gebäude mit massiven Wänden und nur kleinen Fensteröffnungen auszeichnet, sind die Bauten in den tropischen Feuchtzonen durch eine grosse Offenheit geprägt.

Die traditionellen Bauten sind als offenes Fach- oder Stabwerk konstruiert, oft nur mit einem weit überhängenden Grasdach gedeckt als Isolation und Schutz vor den stürmischen Sommerregen. Durch hohe und offene Giebel werden die Räume natürlich durchlüftet.


A rare example of an
adopted architecture in the so
called Grassland | Cameroon

Als Sichtschutz dienen leichte und vorallem luftdurchlässige Mattenwände, so dass eine kühlende Brise die Räume belüften kann. Pflanzliche Baustoffe wie Bambusrohr, Grasmatten und Palmblattrispen bilden leichte Raumhüllen die sich nicht in der Tageshitze aufheizen, sondern für ein behagliche Klima in den Abendstunden sorgen.

Die Gebäude bieten der tiefstehenden Morgen und Abendsonne möglichst wenig Angriffsfläche, indem die Schmalseiten nach Osten und Westen zu liegen. Dadurch kann das Dach, auf der Südseite weit abgehängt, den Bau angenehm beschatten.

Dieses Wissen auch für die Bauaufgaben der Zukunft nutzbar zu machen ist vorallem angesichts des rasanten Bevölkerungszuwachses in der Dritten Welt eine wichtige globale Herausforderung.
Dabei gilt es bezahlbare Lösungen zu finden und Kompromisse zu machen, zwischen dem verständlichen Wunsch an allen "Errungenschaften" der westlichen Welt zu partizipieren und den Bedürfnissen einer regionalen Bauweise die sparsam mit Rohstoffen und Energie umgeht.

Nie vergessen darf man aber, dass es immer noch die sogenannte entwickelte Welt ist, die durch ihren Lebensstil den größten Raubbau an unserer gemeinsamen Lebensgrundlage betreibt.


Literature

Hassan Fathy - Architecture for the Poor
The American University in Cairo Press, 1973  -  http://aucpress.com

Prof. Dr. Wolfgang Lauber - Tropical architecture
Prestel Verlag, München 2005